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Wissenschaftliche Bewertung des Hauses Buuck PDF Drucken E-Mail

„1609, den 17ten (...) haben wir elude als Caspar Buuck und Dorotea Hotke dis haus uns und unsern kindren zu nutz und der stadt Ruden zu frommen gebawet"

Haus Buuck, in der Stadt Rüthen wegen einer der Vorbesitzerfamilien auch als Haus Lattrich bekannt, ist Zeugnis für das, was man im klassischen Sinn als ein auffallend stattliches und imposantes Fachwerkhaus bezeichnet.

Seine Dreigeschossigkeit, die Länge (16,17m), Breite (12,22m), Höhe (16,00m) und das sehr hohe ehemals mehretagig zum Speichern genutzte Krüppelwalmdach dieses Stadthauses aus dem beginnenden 17. Jh. beeindrucken in Größe und Volumen.

Am 07.03.1984 wurde es in die Denkmalliste der Stadt Rüthen eingetragen. Seit mehr als 10 Jahre verfällt Haus Buuck ungenutzt durch Leerstand.

1609 wurde laut Inschrift (s.o.)dieses Baudenkmal errichtet, in dem Jahr, in welchem die Stadt Rüthen zum letzten Mal ihren Mitgliedsbeitrag an die Hanse bezahlte. 1739 überstand dieses Fachwerkhaus unbeschädigt - als eines von ganz wenigern Häusern in Rüthen - den großen Stadtbrand.

Haus Buuck

Viele wissenschaftliche, sozialgeschichtliche, städtebauliche und ortshistorische Gründe, aber auch die unversehrt hinterlassenen bauhistorischen Spuren, der Bautypus in Abhängigkeit seiner einstmaligen ersten Nutzung und sein Standort dokumentieren, dass Haus Buuck völlig fraglos etwas ganz Besonderes ist im Vergleich zu der großen Vielzahl von Fachwerkhäusern in Rüthen und überregional.

Caspar Buuck und seine Frau Dorotea Hotke waren ein Kaufmannehepaar, das in Handel, Wandel, Wirtschaft und Kapital beruflich involviert, ihr Fachwerkhaus für die zukünftige Nutzung als Kaufhaus an dem Verkehrsknotenpunkt  der Stadt Rüthen errichten ließ: An der Kreuzung Niedere Straße, Hachtorstraße, Mittlere Straße. Und noch ein weiterer Aspekt hebt diesen Standort im städtebaulichen Kontext vor allen anderen in der Stadt hervor: Die Hachtorstraße läuft geradewegs auf das ebenfalls noch erhaltene und denkmalgeschützte mittelalterliche Hachtor zu. Betritt man durch dieses die Stadt von Norden, so erreicht man auf dem Weg gen Süden zum historischen alten Rathaus (ebenfalls an der Hachtorstraße) nach wenigen Schritten die oben beschriebene Straßenkreuzung und läuft direkt auf Haus Buuck zu. Aus diesem Grund bildet seine geschossweise mehrfach überkragende hohe Giebelwand die sehr augenfällige Schaufassade. Diese Augenfälligkeit unterstreichen das aufwendige spätrenaissancezeitliche Schnitzwerk auf allen Balkenoberflächen und auf dem Deelentorgestell: Die künstlerisch und damals wie heute kostspielige Dekoration ist nicht nur verspielt floral, sondern auch mit Rollwerk, kleinen Hermen, sich über dem Deelentorbogen jagenden Tieren und einem B als Signatur (wohl des Baumeisters oder Holzschnitzers) in singulärer Weise hervorgehoben. Überregional einzigartig charakterisieren dieses Haus in seiner Eigenschaft als Kaufhaus die Oberflächen der Balkenköpfe zwischen den Füllhölzern der vorkragenden Geschossbalken. Das Kaufmannehepaar ließ die Balkenköpfe mit Grauen erregenden Fratzengesichtern beschnitzen, Trotzköpfe oder auch Neidköpfe genannt, die symbolisch bewertet im apotropäischen Sinn das Übel in jedweder Gestalt von diesem Haus abwehren sollen. Zugleich macht das Schnitzwerk auch den persönlichen Geschmack seiner einstmaligen Erbauer ablesbar.

Die Raumdisposition ist mit einem ehemals privaten Hauseingang in der östlichen Traufseite zur Hachtorstraße hin und hier mit einer zweiflügeligen sehr kostbaren alten Holztür, mit ihrer Ausstattung, Holz- und Steinfußböden sowie einem monumentalen eichenen Aufzugsrad und einem Laufschacht für die in die Speicherböden hoch- und herunterzuziehenden Handelsgüter ebenso weitgehend unverändert erhalten wie das Baudenkmal in seinem äußeren Erscheinungsbild.

Die Erhaltung und Wiedernutzung von Haus Buuck, das ein hochbedeutendes Zeugnis für die Historie der Hansestadt Rüthen ist und als ein früh in Handel und Wirtschaft eingebundenes Kaufhaus auch Dokument für die Wirtschaft ganz Westfalens ist, ist ein längst überfälliges Desiderat.

Es kann gar nicht hoch genug gewürdigt werden, dass sich am Ort der sehr engagierte „Verein Forum für Stadtentwicklung e.V.“ u.a. zur Erhaltung von Haus Buuck gegründet hat, der mittlerweile schon 200 Mitglieder mit steigender Tendenz zählt, und die Stadt Rüthen ihrerseits das Architekturbüro Lohmann & v. Rosenberg, Brilon mit der Ausarbeitung eines Nutzungskonzept beauftragte. Dieses Nutzungskonzept liegt nun seit einiger Zeit vor, welches vom LWL-AfDW fachlich als ganz hervorragend eingestuft wird, da zum einen die Planungsidee sehr überzeugend auch die zukünftige Erhaltung durch die Nutzung des Hauses sichert und dieses zum anderen in den wirtschaftlichen und touristischen Kontext der Geschichte Stadt Rüthen heute wie gestern einbindet.