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Stets im Zeichen des Handels PDF Drucken E-Mail

Jeder auf seine Weise waren die Besitzer von Haus Buuck Kaufmänner. Vor 400 Jahren als Kaufhaus errichtet, diente es zuletzt als Kohlenhandlung

Bis in das oberste vierte Stockwerk reicht der Lastenaufzug im Haus Buuck. Er wurde erst nach 1835 eingebaut.Heute wechselt Rüthens ältestes Haus seinen Besitzer - wieder einmal. Der Notar setzt seinen Siegel unter den Kaufvertrag. Bis das Haus nun in die Hände des Forums für Stadtentwicklung gelangt, war es ein langer Weg - den Stadtarchivar Friedhelm Sommer verfolgt hat. Fast 400 Jahre ist es her, da bauten der Geseker Kaufmann Caspar Buuck und seine Ehefrau Dorotea Hotke, eine gebürtige Rüthenerin, das große Haus an der Kreuzung Hachtorstraße/Niedere Straße.Eine hervorragende Lage für ein Kaufhaus war diese Straßenecke im Herzen der Bergstadt, schreibt Sommer in seinem kurzen Aufsatz. Den Rüthener Stadtvätern muss viel daran gelegen haben, den Kaufmann aus Geseke in die Stadt zu holen. Sie lockten ihn mit einem günstigen Bauplatz und zahlten ihm das Richtfest.

„Höker“, Kleinhändler, hatte Buuck in einer Steuerliste als Beruf angegeben. Aber in dem großen Haus muss es allerhand zu kaufen gegeben haben. Die Rüthener konnten sich dort mit allem eindecken, was sie für den täglichen Bedarf benötigten. Die großen Böden im ersten und zweiten Obergeschoss dienten als Lager und Verkaufsräume gleichermaßen. Aber er fuhr auch in die Dörfer des Gerichts Rüthen, um dort seine Waren feil zu bieten. Die Neidköpfe, die am Hausgiebel prangen, sollten Neid und Missgunst der Besucher abwenden.

Der prachtvolle Fachwerkgiebel mit Neidköpfen und der Inschrift. Was sich unterm Putz verbirgt, wird sich nach der Renovierung des 400 Jahre alten Hauses zeigen. Fotos: Archiv

Sollte der in bescheidenem Reichtum lebende Kaufmann Angst vor seinen Mitmenschen gehabt haben? Mit seiner Hausinschrift verweist er auf die Tradition der Hanse, vermutet Sommer. Zwar war der mittelalterliche Städtebund Anfang des 17. Jahrhunderts bereits in der Auflösung begriffen, seine Sitten und Gebräuche lebten dennoch fort. So ist am Giebel noch heute zu lesen: „1609 den 17ten [Monatsname unleserlich] haben mir elude als Caspar Buuck und Dorotea Hotke dis Haus uns und unsern kindren zu nutz und der stadt Ruden zu frommen gebauet“.

Ein Kaufhaus sollte das stattliche Haus nicht lange bleiben - dennoch wurde es auch von Buucks Nachfolgern immer auch gewerblich genutzt. Der Schwiegersohn, Caspar Kösterhoff, war Bäcker und Brauer, wie die meisten anderen Rüthener betrieb er nebenbei eine kleine Landwirtschaft. Er war ein typischer Ackerbürger, gehörte aber 1648 als Kämmerer auch dem Stadtrat und -regiment an.

In den folgenden Jahren wechselten die Besitzer häufig ihre Namen, meist bedingt durch Einheiratung. Sommer gibt einen Einblick in die lange Besitzerliste: Der Kaufmann Joseph Elling erwarb das Gebäude im Jahr 1802, um dort eine Gastwirtschaft einzurichten. Der jüdische Kleinhändler Meyer Rosenfeld nahm zwischen 1815 und 1835 die Gemischtwarentradition des Hauses wieder auf.

Das Innenleben des alten Kaufhauses, wenn man es durch die Deelentür betritt. Hier handelte Buuck mit seinen Waren.Dann kaufte der Fuhrmann und Kornhändler Friedrich Petrasch das Gebäude. Für seinen Getreidehandel baute er die Lagerflächen aus. Er war es auch, der den Lastenaufzug baute, der von der Deele bis ins Dachgeschoss reicht und heute noch für Aufsehen sorgt. Petraschs Sohn Albert übernahm das Gewerbe von seinem Vater. Als er verstarb, heiratete seine Witwe 1871 den Altenrüthener Anton Luig, der den Handel weiter führte. Dessen Sohn, Anton Luig jun., setzte ab dem Jahr 1901 auf Kohle, lagerte die Ware allerdings nebenan, in der Hachtorstraße 22 - dort, wo heute der „treff“ untergebracht ist. Anton Luig III blieb ehe- und kinderlos, doch auch er führte den Kohlenhandel bis in die 1970er Jahre hinein fort.

Während das Kaufhaus an der Niederen Straße den großen Stadtbrand von 1739 als eines der wenigen unbeschadet überstanden hatte, wurde die Fachwerkfront, so vermutet Sommer, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verputzt. Was sich darunter verbirgt, können die Rüthener nach der Renovierung neu entdecken.

(Auszug aus "Der Patriot" vom 28.12.2007)