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Kaiserkuhle, Ostanbindung, Meister Werke, FDP-Frühlingsempfang: Oliver Wittke gibt sich bei seinem fünfstündigen Aufenthalt bodenständig „... und weil der Onkel, der Geschenke bringt, immer noch beliebter ist als die Tante, die Klavier spielt, habe ich auch etwas mitgebracht.“ Kein Zweifel: Oliver Wittke, seines Zeichens Landesminister für Bauen und Verkehr, weiß sich gut zu verkaufen. Ob beim Frühlingsempfang des FDP-Kreisverbands in der Rüthener Stadthalle oder zuvor bei seinem Vortrag bei der Firma Meister Werke in Meiste - der Gelsenkirchener gibt sich bodenständig und spricht sich mühelos in die Herzen seiner Zuhörer.Was macht die CDU bei der FDP in Rüthen? Wittke eröffnet seine Ansprache mit dieser Frage und gibt auch gleich die Antwort: Beide Parteien hatten in Düsseldorf eine Liebeshochzeit und führen keine Zwangsehe. Auf menschlicher Ebene habe man (zumindest in seinem Ressort) zur guten Zusammenarbeit gefunden. Den Beweis liefert er in persona: FDP-Landtagsabgeordneter Christof Rasche hatte ihn zum Frühlingsempfang eingeladen und so kam innerhalb von vier Monaten der hohe Besuch zum zweiten Mal in die Bergstadt. „Ich habe ein Versäumnis erkannt: Es dauerte 41 Jahre, bis ich das erste Mal nach Rüthen kam“, säuselt der Minister und der Applaus ist ihm sicher. Er habe im Dezember „eine gut aufgestellte Stadt vorgefunden“, schiebt er Lob nach. Es gäbe viele schöne Städte in NRW, aber „Rüthen ist besonders schön“. Darum sei die Stadt in Düsseldorf im Fokus. Aber: Politik könne nicht alles machen, schreibt er den Liberalen ins Stammbuch. „Helfen Sie mit“, fordert er viel bürgerschaftliches Engagement ein. Mit dieser Unterstützung der sei dann auch die Sanierung von Haus Buuck 2009 zu stemmen.
So viel Freundlichkeit lässt Rasche gradezu erstrahlen. Früh wolle er nach Düsseldorf fahren, um das Foto vom CDU-Minister unter der FDP-Fahne innerhalb der Koalition meistbietend zu versteigern, scherzt er. Doch so familiär man sich auch auf Landesebene gibt: In der Großgemeinde stehen den Parteien kämpferische Zeiten bevor. „Natürlich will die FDP die CDU-Mehrheit brechen - das ist eine Selbstverständlichkeit im Sinne der Demokratie“, erklärt Rasche. Gleichwohl könne man anschließend vernünftig miteinander arbeiten. Eine Kerbe, in die auch Bernd Lehmann, Vorsitzender des FPD-Stadtverbandes, schlägt. Mit der CDU-Mehrheit in Rüthen verhalte es sich wie mit dem älter werdenden Spitzensportler, der an Schnellkraft und Wendigkeit verliert. Er ist sicher, nach der Kommunalwahl im kommenden Jahr eine FDP-Fraktion im Rüthener Rat zu haben. Gleichzeitig richtet er ein versöhnliches Wort an die Christdemokraten: „Wir können miteinander.“ Klassische Klavierklänge (Schumann, Haydn, Schubert) mit Pianist Kenny Koa, der gleichzeitig Vorsitzender der Jungen Liberalen in Geseke ist, umrahmen den Frühlingsempfang. Anders in Meiste: Bei Wittkes Vortrag über die „demografische Entwicklung als Herausforderung an die künftige Infrastruktur im ländlichen Raum“ herrscht im Schulungszentrum der Meister Werke nüchterne Strenge. „Die demografische Entwicklung fehlt in keiner Sonntagsrede eines Politikers“, gibt Wittke gleich zu Anfang zu. Und schaffte es mühelos mit einer Hand in der Hosentasche, das Niveau seiner Ansprache über die einer Sonntagsrede zu erheben. Ganz Bauminister spricht er sich für die Barrierefreiheit von Wohnungen aus: Sie ermöglicht Menschen, so lange wie möglich in ihren Häusern zu leben - Essen und Pflege können ihnen gebracht werden, anderenfalls käme man mit dem Bau von Heimplätzen gar nicht nach. Der Ausbau des Ganztagsbereichs in Schulen sei wichtig: Frauen wünschen sich „Beruf und Kind“ oder eben „Beruf und kein Kind“.
Auch wenn er für Wettbewerb zwischen den Kommunen sei: Den Bau des CentrO in Oberhausen bezeichnet er als „Wildwest“. Das Projekt habe die umliegenden Innenstädte kaputt gemacht. Die Verkehrsinfrastruktur müsse stimmen: Der Ausbau der A 46 sei „für die künftige Entwicklung der Region von existenzieller Bedeutung“, so Wittke mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung. Er empfiehlt die Gründung von Bürgerbus-Vereinen, für die es Fördergelder gebe. Leer stehende Gebäude: Als Schandflecken bezeichnet Rüthens CDU-Fraktionschef Friedhelm Thomas diesen Missstand. Ob es Landesmittel gebe, um den optischen Eindruck eines Ortes verbessern zu können? Nur bei einem anschließenden Nutzungskonzept wie bei Haus Buuck, erklärt Wittke. Wie mehrfach bei seinem fünfstündigen Rüthenbesuch betont er die Wichtigkeit des Ehrenamts: „Die Politik ist eben nicht für alles zuständig.“ (Auszug aus "Der Patriot" vom 04.04.2008)
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